Die “neue Übersichtlichkeit” in der deutschen Startup-Szene

die neue Uebersichtlichkeit

Foto von tochis auf flickr bereitgestellt über creative commons

 

„Die neue Unübersichtlichkeit“ nannte Habermas in den 90ern seine These, dass bewährte Denkmuster nicht mehr greifen und die Menschen mit ihren vorher funktionierenden Vorstellungen nun orientierungslos zurückbleiben.

In der deutschen Startup-Szene ist seit einiger Zeit genau die gegenteilige Tendenz zu beobachten: es entsteht eine neue Übersichtlichkeit. Damit ist nicht (nur) gemeint, dass die Anzahl der gegründeten Unternehmen weniger geworden ist, sondern vielmehr, dass die „Artenvielfalt“ abgenommen hat – sowohl auf die Kreativität der Business-Ideen als auch auf die Monetarisierungs-Ideen bezogen. Die ehemals recht quirlige Startup-Szene ist einer großen Monotonie gewichen.

Hier die Bestandsaufnahme:

Spätestens seit Beginn „der Krise“ (oder schreiben wir lieber das schönere Wort credit crunch) konstituiert sich die neue Übersichtlichkeit dadurch, dass es eigentlich nur noch zwei Arten von Startups gibt: 1. soziale Netzwerke und 2. Copycats. Natürlich ist diese Darstellung übertrieben, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die tiefgreifenden Innovationen momentan nicht stattfinden. Das kommt nicht von ungefähr …

Hier die Gründe:

… sondern hat seine Gründe in der hierarchischen Nahrungskette des Risikokapital-basierten Startup-Systems.

-       Das Venture-Geld sitzt nicht mehr so locker (aktuelle Zahlen hier). Die Knappheit am Beginn der Nahrungskette, also die Knappheit an Humus auf dem alles weitere wächst, hat zur Folge, dass nicht in die innovativen Geschäftsmodelle, sondern in die “sure shots” investiert wird. VCs müssen legen ihr Kapital möglichst sicher an. Die Risiko-Aversion der VCs hat zur Folge, dass wirklich innovative und riskante Modelle es schwerer haben, finanziert zu werden. Eine Monokultur bewährter Geschäfts-Modelle bleibt übrig.

-       Auch die Startup-Ideen werden bodenständiger. Was per se ja gut ist: wenn eine Geschäftsidee durchdacht und ernst gemeint ist. Haarsträubende Ideen (wie z.B. diese hier) kann und will man potenziellen Kapitalgebern nicht mehr so einfach präsentieren. In der momentanen Gründerszene bleiben die „Überzeugungstäter“ übrig – und diese wollen sich nicht mit verrückten Ideen ihren Ruf verderben.

-Nicht nur die Geschäftsideen, sondern auch Formen der Monetarisierung werden übersichtlicher. Einige Monetarisierungsmodelle (v.a. Ad-basierte Businesses) haben sich entweder als nicht profitabel erwiesen, oder werden nicht mehr gefördert, weil sie den Ruf haben, nicht profitabel zu sein. 

Was bleibt ist die neue Übersichtlichkeit. 

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